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Wort des Monats

verknusen

Foto verknusen

Die beiden Herren können eindeutig etwas nicht verknusen, das heißt, sie scheinen offensichtlich irgend etwas nicht zu mögen oder nicht leiden zu können.

Das Verb verknusen hört man im Alltag - nicht nur - im Rheinland tagtäglich: Den kann ich nich verknusen. Ich kann dat patuu nich verknusen, wie der seine Tochter anschreit. Bah, son fiesen Brei kann ich überhaupt nich verknusen.  

Hauptsächlich sind es Personen, die man nicht verknusen kann, aber das Objekt der Abneigung können durchaus auch Zustände oder Dinge sein. Wie dem auch sei, die Bedeutung des Wortes ist immer eindeutig. Das scheint auch für die Herkunft von verknusen zu gelten. Alle maßgeblichen Wörterbücher wie der große Duden oder Kluges etymologisches Wörterbuch verweisen auf das "Wörterbuch der sprichwörtlichen Redensarten" von Lutz Röhrich (das hier allen, die sich für die Herkunft von Redewendungen interessieren, ausdrücklich empfohlen wird), das verknusen auf niederdeutschen Ursprung zurückführt. Dort bedeutet das Verb knusen so viel wie "verdauen können", die übertragene Bedeutung sei dann im 19. Jahrhundert über Berlin in die allgemeine Umgangssprache gelangt. 

Allerdings weist Adam Wrede in seinem "Neuen kölnischen Sprachschatz" (bei gleicher Geschichte) das Wort schon um 1900 in Köln nach. Es muss deshalb schon vorher im Rheinland bekannt gewesen sein. Und auch im Rheinischen Wörterbuch ist verknusen schon früh belegt, so dass der Umweg über die Berliner Umgangssprache wenig wahrscheinlich ist. Zumal im Rheinischen Wörterbuch sogar die Hauptbedeutung noch mit "etwas verzehren" angegeben wird. Im Rheinland kann man um 1900 also noch beide Bedeutungen neben einander finden. Deshalb glaubte Josef Müller, der Herausgeber und Bearbeiter des Rheinischen Wörterbuchs, auch nicht unbedingt an einen niederdeutschen Import, sondern leitete das Wort von Knause/Knausen ab, einem im gesamten Rheinland verbreiteten Mundartwort, das ganz verschiedene Bedeutungen haben kann. Danach wäre verknusen sogar ein rheinischer Export in die allgemeine Umgangssprache.

Die beiden abgebildeten Herren sind dem berühmten Werk von Charles Darwin mit dem Titel "Der Ausdruck der Gemütsbewegungen bei dem Menschen und den Tieren" entnommen, das 11 Jahre nach seinem Hauptwerk "Die Abstammung des Menschen" erschien. Die Bilder wurden unter GNU-Lizenz für freie Dokumentation veröffentlicht; Quelle: Wikipedia

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