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Wort des Monats

verkasematuckeln

Sau mit Ferkeln

Hier wird ordentlich wat verkasematuckelt

 

Verkasematuckeln ist ein rätselhaftes Wort. Es kommt in verschiedenen Varianten und Bedeutungen daher - und keiner weiß, wo es eigentlich herkommt!

Ein verbreitete Bedeutung ist "verputzen, viel essen oder trinken": Kumma, wat der vor Bier verkasemtuckeln kann, da wär ich schon lange breit! Der hat die ganze Torte verkasematuckelt, ich fass et nich! Man könnte auch verkasematucken oder verkassematuckeln sagen.

Noch häufiger ist allerdings ein anderer Gebrauch: Ich lass mich doch nich verkasematuckeln von dem. Willsde mich etwa verkassematuckeln? Dann bedeutet das Wort "veräppeln" oder "verkackeiern". Vor allem im nördlichen Rheinland, im Ruhrgebiet und Münsterland kennt man diese Bedeutungsvariante. Hier kann man jemandem auch drohen Gleich bekommse eine verkasematuckelt! Damit wird eine handfeste Abreibung oder zumindest eine Ohrfeige angekündigt. Das ist schon die dritte Bedeutung.

Am Niederrhein kann man auch jemandem etwas verkasematuckeln. Dann versucht man meist vergeblich, etwas zu erklären: Ich hab dem dat jetz stundenlang verkasematuckelt, aber der rafft nix. Hier ist das Wort offensichtlich ein Synonym zu auseinanderklamüsern. Wenn man jedoch fragt Wie, die alte Kiste hasde noch jemandem verkasematuckelt?, dann hat man jemandem etwas angedreht, das eigentlich nicht mehr viel Wert hat.

Neben diesen fünf Bedeutungsvarianten kann das Wort auch für "koitieren" stehen, das ist aber eine eher grobe Verwendung, weshalb hier auf einen Beispielsatz verzichtet wird.

Interessant ist, dass es mittlerweile eine Reihe von Derivaten gibt. So finden sich die Varianten fisematuckeln/fisemantuckeln (vornehmlich im Ruhrgebiet; eine Mischung aus Fisematenten und kasematuckeln?), verpisematuckeln und verknusemantuckeln. Man hört sie hauptsächlich im nördlichen Rheinland, im gesamten Ruhrgebiet und im angrenzenden Münsterland. Dies scheint das Kerngebiet unseres Wortes zu sein, auch wenn es heute im ganzen Norden des deutschen Sprachraums verbreitet ist. Deshalb hat man auch angenommen, es könnte dort entstanden sein, weil im Münsterländischen die Wörter tucken und kasematucken gebräuchlich sind, die jeweils "schlagen, verhauen" bedeuten. Wie allerdings wiederum kasematucken zu erklären ist, bleibt auch hier unbeantwortet. Eine andere Wortgeschichte führt zur alten Münsterländer Geheimsprache Masematte zurück. Diese Etymologie überzeugt aber nicht, weil sie wohl nur auf Lautgleichheit (masematte - kasematte - kasematuckeln) beruht. Auch die üblichen Verdächtigen, das Französische und das Polnische, sind bemüht worden, aber auch hier sind keine einleuchtenden Ableitungen vorgeschlagen worden.

Es bleibt zu konstantieren, dass bislang keine überzeugende Herleitung gelungen ist. Die Umgangssprache steckt also noch voller Geheimnisse.  

Das Bild wurde unter GNU-Lizenz für freie Dokumentation veröffentlicht; Quelle: Wikipedia

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