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Wort des Monats

Blauköpp

sind mal wirklich richtig rheinisch. Es gibt sie nur hier. Gemeint sind natürlich nicht die oft so bezeichneten einfachen Nägel aus gebläutem Stahl mit breiten Köpfen, die gibt es überall, sondern die - Protestanten. Im Rheinland, das heißt südlich von Krefeld bis hinunter in den Hunsrück, sind alle die, die nicht katholisch sind, in der Umgangssprache einfach nur Blauköpp. War der Blaukopp früher eher eine Beleidigung oder zumindest eine abfällige Bezeichnung ("ein Blaukopp kommt mir nicht ins Haus", bekamen heiratswillige junge Leute schon mal von ihren katholischen Eltern zu hören),so wird das Wort heute von den Protestanten selbst entweder ironisch oder auch ganz selbstbewusst benutzt. In Köln gab es sogar ein Blaukopp-Festival und in einem Karnevalslied bekennt man sich sogar ganz offensiv zum Blaukoppsein: Ich ben 'ne kölsche Protestant un maach Rabbatz.
Ich ben 'ne Blaukopp un sing Ajuja
.

Der oberste Blaukopp: Präses Nikolaus Schneider

Der oberste Blaukopp im Rheinland: Präses Nikolaus Schneider

Allerdings weiß man bis heute nicht, woher diese seltsame Bezeichnung kommt. Und immer dann, wenn man wenig oder auch nichts weiß, dann kann man prächtig spekulieren. So sind auch in diesem Fall eine ganze Reihe von phantasievollen Herleitungen vorgeschlagen worden:

1. Die ersten Blauköpp waren die protestantischen Schweden im Dreißigjährigen Krieg, weil die blaustichige Helme trugen.

2. Angeblich hatten früher protestantische Färber (flämischer Herkunft?) blaue Kopfbedeckungen.

3. Die Protestanten waren früher oft betrunken, also blau, was ihnen die Bezeichnung Blaukopp eingetragen hat.

4. Blau ist seit alten Zeiten die Farbe der Täuschung und Lüge (man kann das Blaue vom Himmel herunterlügen), die Bezeichnung ist also eine böse Unterstellung der Katholiken (noch heute heißt es z.B. im Elsaß "den Blauen ist nicht zu trauen").

5. Die Protestanten traten sehr arrogant auf und wurden deshalb als blaublütig bezeichnet.

6. Die letzte Variante ist schließlich auch die wahrscheinlichste. Danach gehen die Blauköpp auf die "preußisch-blaue" Uniform der preußischen Soldaten zurück, die im Rheinland gerade von der katholischen Bevölkerung oft als Besatzung und als Quelle allen protestantischen Übels empfunden wurde. 

 Blaue preußische Soldaten

Im Rheinland sind immer die Preußen Schuld

Übrigens: Noch heute ist Blokäpp im südlichen Rheinlandl ein verbreiteter Ortsneckname für die Bewohner von Orten, die in der Mehrheit protestantisch sind z.B. Winningen, Mülheim oder Flammersfeld.

Die Bilder wurden unter GNU-Lizenz für freie Dokumentation veröffentlicht; Quelle: Wikipedia

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