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Wort des Monats

Klüngel

Aus gegebenem Anlass:

"...aber ist denn das, was da von einem verantwortungslosen Klüngel auf den Finanzmärkten der Welt angerichtet wurde, zumindest moralisch anders als "verbrecherisch" zu bezeichnen?"

Anzeigentafel der Hamburger Börse

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Dieses Zitat stammt aus der FAZ vom 8. Oktober 2008 und ist ein Kommentar zu den Erschütterungen an den internationalen Finanzmärkten. Interessanterweise stammt der empörte Leser nicht aus dem Rheinland, sondern aus...Unterhachingen. Sollte es noch einen Beweis für den Deutschland weiten Siegeszug dieses urrheinischen Wortes brauchen, hier ist er. Der Klüngel ist endgültig in der allgemeinen deutschen Alltagssprache angekommen.

Dabei ist unbestritten, dass er eine rheinische, ja eine kölnische Erfindung ist. In der rheinischen Metropole findet sich der früheste Beleg des Wortes mit der Bedeutung "betrügerische Machenschaften" schon im Jahr 1782 im Zusammenhang mit der städtischen Lotterie. Wie sehr Köln und der Klüngel in der außerrheinischen Wahrnehmung noch lange Zeit verbunden waren, zeigt auch der Eintrag im großen Grimmschen Wörterbuch. Dort wird der "kölnische klüngel" ausschließlich negativ definiert, "durch den man dort im städtischen leben allein zu etwas gelangen soll, schleichwege, geheime fürsprache u.d."

Dass das Klüngeln selbst aber keine Kölner Erfindung ist, zeigt die schnelle Verbreitung des Wortes. Offensichtlich bestand der dringende Bedarf, diese überall verbreiteten Machenschaften zu benennen, ohne umständliche Umschreibungen wie "Gruppe von Menschen, die sich gegenseitig fördern und Vorteile verschaffen" (Wahrig-Wörterbuch) benutzen zu müssen. Deshalb ist "Trübners Deutschem Wörterbuch" auch uneingeschräntk zuzustimmen, wenn es feststellt, dass die Kölner der deutschen Sprachgemeinschaft ein äußerst "brauchbares" Wort geschenkt haben.

Das Bild wurde unter GNU-Lizenz für freie Dokumentation veröffentlicht; Quelle: Wikipedia

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