Landschaftsverband Rheinland - Qualität für Menschen

Zurück zur Startseite zur Startseite LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte

Wort des Monats

hibbelich

Zappelphillip

Heute nennt man es "Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)" oder "Hyperkinetische Störung (HKS)", früher sprach man meist vom Zappelphillip. In der rheinischen Alltagssprache dagegen waren und sind Kinder, die nicht still sitzen können, schlicht und einfach hibbelich oder hibbelisch: Dat Kleen is immer so hibbelich, dat macht mich ganz verrückt. Nu sei doch nich so hibbelich un bleib ma ruhich sitzen sagen im Rheinland deshalb die Eltern, wenn sie bei ihren Kindern eigentlich ADHS oder HKS diagnostizieren müssten. Ein Kind, das hibbelich ist, ist folglich ein Hibbel oder Hippel: Watten Hibbel, der kann nich still sitzen. Seltener hört man das dazugehörige Verb hibbeln: Der hibbelt in der Schule nur rum un lernt nix. 

Allerdings ist hibbelich sein im Rheinland nicht auf Kinder beschränkt. Auch Erwachsene sind nervös, erwartungsfroh oder ganz einfach nur aufgeregt, ohne dass sie eines psychischen Problems verdächtig wären: Ich bin schon ganz hibbelich, weil wer morgen innen Urlaub fahren. Ich kann nich länger warten, ich werd schon ganz hibbelich. 

Das Wort entstammt wohl nicht den rheinischen Mundarten; hier kennt man hippeln oder hibbeln nur als "hinken", das Adjektiv ist sogar völlig ungebräuchlich. Wahrscheinlich ist das Wort deshalb ein umgangssprachlicher Import, denn vor allem die Menschen im niederdeutschen und ostmitteldeutschen Sprachraum scheinen bevorzugt hibbelig zu sein.

Der Zappelphillip aus dem berühmten Struwwelpeter wurde unter GNU-Lizenz für freie Dokumentation veröffentlicht; Quelle: Wikipedia

::